Donnerstag 19. Oktober 2017
Pfarre St. Martin im Mühlkreis

Pfarrpatron: Heiliger Martin

 

Halbrelief vor der Martinskirche am Römerberg zu Linz 

 

Martin wurde 316 in Sabaria, dem heutigen Szombathely (nahe der österr.-ungar. Grenze) als Sohn heidnischer Eltern geboren. Sein Vater wurde als Offizier der röm. Armee nach Oberitalien versetzt, wo der Junge in seinen Spielgefährten und Lehrern römische Christen fand. Zum Unwillen seiner Eltern ließ sich Martin unter die Katechumenen aufnehmen, doch die Taufe empfing er erst sechs Jahre später.

Als Sohn eines Berufsoffiziers war er für den Soldatenberuf vorbestimmt. Mit 15 Jahren schon trat er in das Heer ein und wurde bald zum Offizier in der Reiterei bestimmt. Sein Standort war dann im unruhigen Armiens (Nordfrankreich). An einem kalten Winterabend kehrte der Hauptmann Martin von einem Inspektionsritt zurück. Plötzlich scheute am Stadttor sein Pferd vor einem am Boden liegenden halbnackten, vor Kälte zitternden Bettler. Martin fand keine Münze in seinen Taschen und nahm deshalb seinen Offiziersmantel von der Schulter, trennte ihn in der Mitte durch und warf die eine Hälfte dem Bettler zu. In der Nacht darauf hatte Martin eine Erscheinung: Er sah Jesus, der Martins Mantelhälfte um seine Schulter trug, inmitten einer großen Zahl von Engeln und hörte ihn sagen: Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast du mir getan. Auf dieses Erlebnis hin empfing Martin die Taufe, die er immer wieder hinausgeschoben hatte.

Diese Szene hat das Bild des heiligen Martin über all die Jahrhunderte hinweg geprägt:

  • unzählige Bilder und Statuen in aller Welt stellen sie dar,

  • jedes Jahr spielen sie Kinder am Fest des Heiligen nach.

Der Ritter der Nächstenliebe wurde zum Symbol der christlichen Nächstenliebe schlechthin!

 

Diözesanmuseum Rottenberg am Neckar, um 1440 

 

Nach seiner Taufe verließ Martin da Heer. Ein anderer Ruf hatte ihn erreicht. In Trier begegnete er dem Bischof Maximinus, der ihn in das geistliche Leben einführte. Unter der Leitung des Bischofs von Poitiers (südwestlich von Paris gelegen) vollendete er sein theologisches Studium und empfing die ersten Weihen.

Danach wollte Martin, dass auch seine Eltern an dem Glück teilhaben sollten, das er im Glauben gefunden hatte. Aber nur seine Mutter folgte ihm nach; der Vater war verbittert über die abgebrochene Offizierslaufbahn. Obendrein wurde Martin von arianischen Bischöfen verfolgt und des Landesverwiesen.

So zog sich Martin auf eine kleine Insel im Mittelmeer zurück und lebte dort als Einsiedler. Dann aber zog es ihn wieder nach Frankreich zurück, wo er das erste Kloster gründete. Als man in Tours einen Bischof brauchte, rief das Volk nach Martin, trotz Ablehnung der Bischöfe ringsum. Schon damals passte ein Mönch mit dem Gesicht eines Asketen und in geflickter Kutte nicht mehr in den Kreis der „Würdenträger“.    

 

Glasfenster in unserer Pfarrkirche, um 1470

  

Nachdem er gegen seinen Willen Bischof geworden war, wollte er es jetzt ganz sein. So knüpften sich viele Legenden schon zu seinen Lebzeiten an das segensreiche Wirken dieses Bischofs, die wohl auch auf einem wahren Hintergrund entstanden sind. Frieden zu stiften zwischen sich bekämpfenden Fürsten, eifersüchtigen Bischöfen und Priestern und streitenden Bauern war ihm heiligst Pflicht. Auf einem seiner Versöhnungsreisen zog sich der Achtzigjährige eine tödliche Krankheit zu. Er starb am 8. November 397 in Candes. Sein Grab in Tours wurde zum meistbesuchten Wallfahrtsort des Mittelalters. Martin war der erste Nichtmärtyrer, der als Heiliger verehrt wurde.

 

Den Brauch der Martinumzüge brachten nach dem 2. Weltkrieg Flüchtlinge aus Schlesien zu uns, ein Brauch, der auf die Bedeutung  Martin Luthers in Thüringen zurückgeht, wo sich an seinem Geburtstag und Vorabend seines Namenspatrons Kinder mit Papierlaternen versammelten.

Der volkstümliche Brauch der Martinsgans basiert auf dem Martinstag als Hauptzinstag, an dem – wie zu Lichtmess – das neue Wirtschaftsjahr des Bauern begann und Knechte wie Mägde den Dienstherrn wechseln konnten.

 

Vollplastik in der Stiftskirche Wilhering, um 1740

                 

Heribert Schwarz

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